Einfamilienhaus mit RWE Innovationspreis
Wärmepumpe 2012 ausgezeichnet

Der RWE Innovationspreis Wärmepumpe wird in verschiedenen Kategorien vergeben. Dazu gehört auch die Kategorie Einfamilienhaus. Als die Jury das Konzept von Jutta und Ralf-Günter Wein aus Lehmen analysierte, war schnell klar: Dafür gibt es auf jeden Fall einen RWE Innovationspreis Wärmepumpe 2012. Sehr zur Freude der Weins – der Preis ist mit 2500 Euro dotiert. Im Interview mit Ralf-Günter Wein wollen wir herausfinden, was hinter dem preisgekrönten Konzept der beiden Ingenieure steckt.

 

Bevor wir ins Detail gehen, können Sie uns kurz Ihr Haus beschreiben?

Es handelt sich um ein Architektenhaus mit einem sehr ungewöhnlichen Grundriss. Es ist verschachtelt, verfügt über mehrere Loggien und ist insgesamt 350 Quadratmeter groß. Es wurde 1994 gebaut und liegt inmitten eines 2200 Quadratmeter großen Grundstücks. Und zwar an einem Steilhang, aber dazu kommen wir sicher später noch. Gekauft haben wir es vor fünf Jahren. Damals wussten wir schon, dass die Ölheizung im Jahr etwa 5000 bis 6000 Leiter Heizöl verschlingt.

 

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, eine Wärmepumpe einzusetzen?

Wir haben das einfach mal durchgerechnet und dabei die Preissteigerung beim Heizöl von 2002 bis 2012 zugrunde gelegt. Was würde es uns kosten, wenn wir das Haus weiterhin mit Öl beheizen würden? Wir sind auf eine Summe von 96 000 Euro gekommen. Nur für Öl! Unser nächster Gedanke war: Das können wir ebenso gut in eine moderne Technologie und eine gute Dämmung investieren. Und das Geld durch die eingesparten Heizkosten wieder reinholen.

 

Wie viel Energie sparen Sie mit Ihrem Wärmepumpenkonzept ein?

Die Anlage wurde letztes Jahr gebaut. Nach einer Heizperiode, also ganz aktuell, haben wir unsere Energiekosten um 86 Prozent reduziert. Und der Winter war kalt und lang! Wir sind also sehr zufrieden …

 

… und Sie wurden mit dem RWE Innovationspreis Wärmepumpe 2012 ausgezeichnet. Können Sie Ihr Konzept so beschreiben, dass es auch ein Laie versteht?

Ich will’s versuchen: Das „Herz“ der Wärmepumpenheizung ist eine Kältemaschine. Eine, wie sie zum Beispiel auch Supermärkte für die Kühlung benutzen. Bekanntlich gewinnt eine Wärmepumpe ihre Wärme ja immer dann, wenn bestimmte Trägersubstanzen ihre Temperatur- oder ihren Aggregatzustand ändern. Bei uns wird flüssiges Kohlendioxid durch drei Edelstahlrohre geleitet, die 135 Meter tief in die Erde reichen. Durch die Erdwärme verdampft das Kohlendioxid und wird gasförmig. Das Gas steigt hoch zur Kältemaschine und wird dort über einen Plattenwärmetauscher wieder verflüssigt. Der Aggregatzustand ändert sich, und die dabei entstehende Wärme wird durch die Wärmepumpe zur Beheizung des Gebäudes genutzt.

 

Und das reicht für 350 Quadratmeter?

Sehr gut sogar. Trotzdem nutzen wir insgesamt drei Wärmequellen. Neben der Wärmepumpe sind das noch ein wassergeführter Kaminofen und eine solarthermische Anlage. Deren Kollektoren haben wir an der Hausfassade anbringen lassen. Das mussten wir, weil die gesamte Dachfläche bereits von Fotovoltaik-Modulen belegt ist.

 

Was trägt außerdem zum Energiesparen bei?

Meine Frau Jutta und ich sind beide diplomierte Ingenieure und haben in den letzten drei Jahrzehnten im IT-Bereich gearbeitet. Mit diesem Wissen im Hintergrund und ausgiebiger Recherche haben wir ein Rundum-Konzept entwickelt. Ein externer Energieberater hat es mit den Worten kommentiert, unsere Planung führe zu der höchsten Energieeinsparung, die er je gesehen habe. Also haben wir uns an die Umsetzung gemacht. Zu unserer Planung gehörte natürlich auch die Dämmung. Wir haben einen sehr hochwertigen Dämmstoff namens Aero-Gel in das zweischalige Mauerwerk unseres Hauses einblasen lassen. Das Dach wurde in voller Sparrenhöhe mit Zelluloseflocken gedämmt, die ebenfalls eingeblasen wurden. Kältebrücken, die dort entstanden sind, wo die Betondecken in die Fassade münden, haben wir mit dem Hightech-Dämmstoff Spaceloft isoliert. Der wird von außen auf den Beton geklebt. Die Fenster auszutauschen, das wäre uns zu teuer gewesen: Denn es handelt sich ausschließlich um maßgeschneiderte Fenster. Last but not least wird das Energiemanagement von einer Software gesteuert, die wir selbst entwickelt haben. Die ist übrigens durchaus mit einer Hausautomatisierung wie zum Beispiel RWE SmartHome kompatibel.

 

Und beim Einbau der Wärmepumpe lief alles glatt?

Nicht ganz! Weil unser Grundstück am Hang liegt, hat nur eines von den drei angefragten Unternehmen es gewagt, die Bohrung in 135 Meter Tiefe für die Edelstahlrohre durchzuführen. Wie wir sehen, hat sich der Mut bezahlt gemacht!


Bleibt zu sagen: vielen Dank für das Gespräch. Und herzlichen Glückwunsch für den RWE Innovationspreis Wärmepumpe 2012!


Info: Der RWE Innovationspreis Wärmepumpe prämiert Gebäude, die unter Einsatz von Wärmepumpentechnik modernisiert oder neu gebaut wurden. Ziel der Auszeichnung ist es, Gebäudeeigentümer und Planer für ihre Kreativität und Innovationsbereitschaft in Bezug auf den Einsatz von Wärmepumpen auszuzeichnen. Dies gilt sowohl im Rahmen von Modernisierungs- oder Neubauvorhaben im Geschosswohnungsbau als auch in gewerblich genutzten Immobilien. Hintergrund der Auszeichnung ist die Überzeugung, dass die prämierten Projekte Schule machen und sich die Wärmepumpe als Heizsystem mit ihren vielen Vorteilen auch in diesen Anwendungsgebieten am Markt durchsetzen wird. Zu den Vorteilen gehören in erster Linie die CO2-Einsparung und die Senkung der Energiekosten. Als Energieversorger sieht sich RWE in der Pflicht, energiesparende Konzepte gemeinsam mit seinen Kunden zu entwickeln und umzusetzen. Die Wärmepumpe als Heizsystem steht dabei im Fokus.

Bildnachweis: Contentbilder - RWE; Hausbeschreibung - Privat