EU-Energielabel: Aus A+ wird A –20 Prozent

Als das europäische Energielabel 1994 lanciert wurde, ahnten seine Initiatoren noch nicht, wie schnell die technische Entwicklung voranschreiten würde. Bereits zehn Jahre nach seiner Einführung erreichte die Mehrzahl aller Geräte die höchste Energieklasse A. Heute sind Geräte der Klassen E bis G fast komplett vom Markt verschwunden, und selbst Geräte der Effizienzklasse B können schon Schlusslicht der lieferbaren Produkte sein. Das ist zweifellos ein großer Erfolg für das EU-Etikett. Aber es ist auch ein Problem. Denn wenn alle Geräte die höchste Klasse erreichen, ist die Aussagekraft des Etiketts relativ gering.

Am schnellsten ist die Energiespartechnik bei Kühl- und Gefriergeräten vorangeschritten. Deshalb hat die EU schon 2004 die Klasse A um die Klassen A+ und A++ erweitert. A+ für Geräte, die rund 25 Prozent sparsamer sind als Geräte der A-Klasse, A++ für solche, die höchstens die Hälfte verbrauchen. Bis jetzt reichte das aus. Doch allmählich kommt auch dieser Notbehelf an seine Grenzen. Schon heute erreicht die Hälfte aller Kühl-Gefrierkombinationen die Klasse A+ oder A++, und die Entwicklung hin zu immer effizienteren Geräten ist noch lange nicht zu Ende.

Auch Fernseher sollen EU-Label erhalten

Um das Etikett zukunftssicherer zu machen, aber auch um den Energieverbrauch noch detaillierter darzustellen, setzt die EU deshalb ab 1. Januar 2011 auf eine völlig neue Kennzeichnung: An die Stelle der Klassen A+ und A++ treten die neuen Kennzeichnungen A –20, A –40, A –60 und A –80 Prozent. Diese zeigen an, dass ein Gerät 20, 40, 60 oder 80 Prozent weniger Energie verbraucht als eines der A-Klasse. Zunächst wird das Label nur für Kühl- und Gefriergeräte eingeführt. Ab 2012 soll es dann auch auf Fernsehern und später auf Waschmaschinen, Bürogeräten und Unterhaltungselektronik zu finden sein. Vor allem bei Fernsehern macht die Kennzeichnung Sinn. Denn ein großer Plasma-Fernseher, der täglich vier Stunden läuft, verbraucht jährlich bis zu 800 Kilowattstunden Strom, ein Kühlschrank der Klasse A++ dagegen nur zwischen 100 und 200 Kilowattstunden.

Energielabel für Unterhaltungselektronik


© Dena Während sich das EU-Label für technische Haushaltsgroßgeräte als einheitliches Kennzeichen durchgesetzt hat, sind bei Unterhaltungselektronik eine Vielzahl von Energieetiketten im Umlauf, die alle mehr oder weniger aussagekräftig sind.

 

© Wikipedia Eines der verlässlichsten Zeichen ist das Europäische Umweltzeichen, die „Euroblume“. Sie wird für Unterhaltungselektronik und Computer vergeben, die besonders effizient sind und zudem schadstoffarm und energie- und ressourcenschonend hergestellt wurden. Die Vergabekriterien liegen deutlich über den gesetzlichen Anforderungen, und ihre Einhaltung wird von unabhängigen Stellen kontrolliert. Ändern sich die Kriterien, muss das Zeichen neu beantragt werden. Eine ähnlich hohe Aussagekraft hat auch das Umweltsiegel ECO-Kreis des TÜV Rheinland. Es wird für Bürogeräte vergeben, die besonders energiesparend, ergonomisch und ökologisch sind, wobei die Prüfkriterien permanent den technischen Entwicklungen angepasst werden.

Nur beschränkt aussagekräftig ist dagegen das Energielabel Energy Star für energiesparende Bürogeräte. Zwar wurden die Kriterien zum 1. Juli 2007 verschärft, aber nur für PCs und Notebooks. Für Drucker oder Kopierer dagegen hinken die Vergabekriterien der technischen Entwicklung weiter hinterher. Begrenzte Aussagekraft hat auch das GEEA-Label, da es allein den Energieverbrauch von Bürogeräten und von Unterhaltungselektronik im Stand-by-Modus bewertet, nicht aber den Verbrauch im Betrieb.

Info: Einen guten Überblick über besonders effiziente Unterhaltungselektronik bietet die Seite www.ecotopten.de