Interview mit Rolf Martin Schmitz und Markus Krebber über die Bedeutung der Transaktion für RWE

Neue Perspektiven für RWE


Am 13. März 2018 hat RWE auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit E.ON eine weitreichende Transaktion zwischen beiden Unternehmen vorgestellt. Im Interview erläutern die Vorstände der RWE AG, Rolf Martin Schmitz und Markus Krebber, was die Transaktion für RWE bedeutet und wie die Zukunft aussieht.

 

Herr Schmitz, Herr Krebber, Sie sehen ein bisschen müde aus. Haben Sie in den vergangenen Wochen wenig geschlafen?

Rolf Martin Schmitz (lacht): Ja, das kann man wohl sagen! Die Vorbereitung einer solchen Transaktion bringt natürlich extrem viel Arbeit mit sich. Bis alles zur Zufriedenheit beider Seiten verhandelt ist, bis alle rechtlichen und finanziellen Aspekte geprüft sind – da hatten wir einiges zu tun!

Markus Krebber: Dem kann ich mich nur anschließen. Es war ein hartes Stück Arbeit und zwar für alle, die an der Transaktion mitgearbeitet haben. Aber der Einsatz hat sich wirklich gelohnt, ich bin stolz auf diese zukunftsweisende Transaktion und die tolle Mannschaft bei uns, die das geschafft hat.

 

Was genau beinhaltet denn die Vereinbarung mit E.ON?

Schmitz: Die Vereinbarung umfasst mehrere Aspekte und ist darauf ausgelegt, beide Unternehmen zu stär ken. Im Einzelnen haben wir vereinbart, dass E.ON den derzeit von RWE an der innogy gehaltenen Anteil von 76,8 Prozent übernimmt. Im Gegenzug wird die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien sowohl von E.ON als auch von innogy in die RWEGruppe integriert. Außerdem erhalten wir das bisher von innogy betriebene Gasspeichergeschäft und die Minderheitsbeteiligung am österreichischen Energieversorger Kelag sowie die bisher von E.ON gehaltenen Minderheitsanteile an den von RWE betriebenen Kernkraftwerken in Lingen/Emsland und Gundremmingen und ein Aktienpaket von 16,7 Prozent an E.ON. Darüber hinaus werden die Ergebnisse der Erneuerbaren rückwirkend ab 1. Januar 2018 uns zugerechnet. Zu guter Letzt zahlt RWE 1,5 Milliarden Euro an E.ON.

 

Das hört sich kompliziert an. Was sind denn die Vorteile für RWE?

Schmitz: Das kann ich in einem Satz zusammenfassen: Wir machen RWE damit dauerhaft zu einem der führenden Energieversorger in Europa! Wir haben immer gesagt: Konventionelle und erneuerbare Erzeugung sind zwei Seiten einer Medaille. Versorgungssicherheit ist und bleibt unser Geschäft, nun ergänzt durch die Erzeugung aus den erneuerbaren Energien. Jetzt sind wir mit einem Schlag auf beiden Seiten exzellent aufgestellt. Und unsere Handelsplattform ist das ideale Bindeglied zwischen beiden. Diese Konstellation können nur wenige Unternehmen in Europa vorweisen.

Krebber: Wir stärken RWE sowohl strategisch als auch finanziell. Wir können durch die Transaktion unseren Verschuldungsfaktor senken und die Ergebnisse aus dem operativen Geschäft quasi verdoppeln. Die Finanzbeteiligungen an E.ON und der Kelag geben uns zusätzlich finanzielle Flexibilität. Außerdem erhalten wir die Dividende von innogy in 2018 und 2019 im Umfang von 1,4 Milliarden Euro. Damit sind wir solide aufgestellt und können in den Ausbau des operativen Geschäfts investieren – sowohl bei den Erneuerbaren als auch im konventionellen Bereich.

 

Wie genau läuft dieser Prozess jetzt ab?

Krebber: Natürlich müssen die Transaktionen noch durch die entsprechenden Behörden geprüft werden. Da sind wir aber zuversichtlich, dass wir grünes Licht bekommen können. Parallel dazu wird E.ON den anderen Aktionären der innogy ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot unterbreiten. In einem nächsten Schritt werden wir unser Aktienpaket an innogy im Rahmen einer Sachkapitalerhöhung der E.ON in deren Unternehmen einbringen. Im Gegenzug erhalten wir 440 Millionen E.ON-Aktien, die Minderheitsanteile an den beiden Kernkraftwerken Gundremmingen und Emsland und zahlen einen Barausgleich von 1,5 Milliarden Euro. Wir erwarten, dass das Übernahmeangebot und die Kapitalerhöhung voraussichtlich im zweiten Quartal 2019 abgeschlossen sind. Nach dem Übergang der innogy- Anteile leitet E.ON die gesellschaftsrechtliche Integration ein. So schnell wie möglich danach soll das Erneuerbaren-Geschäft von E.ON und innogy, das Gasspeichergeschäft und der innogy-Anteil an der Kelag auf uns übertragen werden. Aus heutiger Sicht werden wir die gesamte Transaktion voraussichtlich Ende 2019 abschließen können.

 

Wie wird RWE denn danach aufgestellt sein?

Schmitz: Wir stellen RWE auf mehrere gesunde Säulen: Konventionelle Erzeugung aus Braunkohle und Kernenergie einerseits und der europäischen Stromerzeugung der RWE Generation andererseits. Ergänzt werden die beiden durch die Erzeugung aus den Erneuerbaren der E.ON und der innogy sowie dem Energiehandel über die Supply & Trading. Die Finanzbeteiligungen an E.ON, der Kelag und an Amprion runden das dann ab. Alles zusammen macht uns stark für die Zukunft – wir werden der drittgrößte Erneuerbaren Produzent in Europa, die Nummer zwei bei Wind. Im Erneuerbaren- Markt ist Größe entscheidend.

Krebber: Nach der vollständigen Integration – also ungefähr 2020 – werden 90 Prozent unseres Ergebnisses aus dem operativen Geschäft kommen, 10 Prozent durch unsere Finanzbeteiligungen. Mehr als die Hälfte des Ergebnisses werden wir aus dem Geschäft mit den erneuerbaren Energien bestreiten. Rund ein Drittel werden die konventionelle Stromerzeugung und das Handelsgeschäft beisteuern.

 

Werden im Zuge der Integration bei RWE Stellen abgebaut?

Schmitz: Nein, bezogen auf den Gesamtkonzern sicher nicht. Wir übernehmen das Geschäft mit erneuerbaren Energien von innogy und E.ON und die dazugehörigen Mitarbeiter, das sind insgesamt mehr als 2.500. Diese Mitarbeiter leisten heute hervorragende Arbeit und bringen exzellente Expertise mit. Sollte es punktuell zu Dopplungen kommen, werden wir gemeinsam mit den Mitbestimmungsgremien Lösungen finden.

Krebber: Auf der E.ON-Seite wird allerdings schon mit Synergieeffekten und Stellenstreichungen gerechnet. In der Energiebranche haben wir alle Erfahrungen mit derartigen Anpassungen und haben das in den vergangenen Jahren immer in enger Partnerschaft mit den Arbeitnehmervertretern hinbekommen. Das hat auch E.ON jetzt versprochen.

 

Trotzdem bedeutet das eine Menge Veränderungen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, oder?

Schmitz: Ja, sicherlich, aber da mache ich mir wenig Sorgen. Bei RWE haben wir eine offene, wertschätzende Kultur und gehen mit Veränderungen transparent und fair um. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit den neuen Kolleginnen und Kollegen der E.ON und der innogy, die zu uns wechseln. Wir passen gut zusammen, denn wir fokussieren uns auf eine gemeinsame Stromerzeugung. Der E.ON-Vorstand hat ebenfalls klar gemacht, dass die Expertise der innogy-Kollegen für E.ON ein großer Gewinn ist.

Krebber: Wir sind auch deshalb so überzeugt von dieser Transaktion, weil die erstarkte RWE – genauso wie E.ON – noch viel attraktivere Zukunftsperspektiven für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bieten wird. Wir sind dann ein schlagkräftiges, internationales Unternehmen mit Wachstumsperspektiven und Karrieremöglichkeiten
in vielen Bereichen.

Schmitz: Und wenn ich das noch ergänzen darf: Wir blicken in unserer RWE auf eine 120jährige Geschichte zurück. Mit der neuen Aufstellung sind wir gut gerüstet, damit noch viele Jahre dazu kommen. Daran müssen alle mitarbeiten. Bis die Transaktion abgeschlossen ist, das dauert noch. Solange ändert sich erstmal nichts und wir müssen konzentriert an unseren heutigen Aufgaben weiter arbeiten – auch das ist spannend.