RWE magazin, Strom statt Sprit

Die Geschichte der Elektroautos

Wer hätte das gedacht: Die ersten Autos fuhren nicht mit Benzin, sondern elektrisch. Noch Anfang des 20. Jahrhunderts gab es in den USA fast doppelt so viele Elektrofahrzeuge wie Benziner. Schlagartig änderte sich dies allerdings mit der Erfindung des elektrischen Anlassers für den Otto-Motor 1911.

1835: Das erste elektrische Schienenfahrzeug

Dem Amerikaner Thomas Davenport kommt das Verdienst zu, mit einem selbst entwickelten Motor 1835 das erste elektrisch angetriebene Fahrzeug der Welt konstruiert zu haben – eine kleine Modelllok, die auf einem Schienenkreis von gut einem Meter Durchmesser fuhr. Die erste „richtige“ Elektrolok wurde aber erst 1851 von Charles Grafton Page konstruiert. Die Elektrolok wurde von zwei 20 PS starken Elektromotoren, die von einer tonnenschweren Batterie gespeist wurden, angetrieben. Bei der Probefahrt am 29. April 1851 erreichte diese Lokomotive kurzzeitig eine Geschwindigkeit von 31 Stundenkilometern.

1881: Das erste Elektroauto

1859 erfand der französische Physiker Gaston Plante den wiederaufladbaren Blei-Akku, eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung von Elektrofahrzeugen. Bereits fünf Jahre, bevor Carl Benz seinen „Motorwagen“ zum Patent anmeldete, präsentierte der Franzose Gustave Trouvé 1881 auf der Elektrizitätsmesse in Paris ein Fahrzeug mit Elektromotor und Blei-Akku. Dieses gilt heute als erstes Elektroauto der Welt. Die dreirädrige Konstruktion erreichte eine Geschwindigkeit von bis zu zwölf Stundenkilometern.

1890: Das erste Erfolgsmodell

Nach Trouvé begannen immer mehr Hersteller, Elektroautos zu entwickeln. 1890 baute der Amerikaner William Morrison das erste Erfolgsmodell. Das kutschenähnliche Fahrzeug wurde durch einen 2,5-PS-Elektromotor angetrieben, der von acht Batterien unter den Sitzen gespeist wurde. Die Höchstgeschwindigkeit lag bei zehn bis zwölf Stundenkilometern, was in etwa dem gemächlichen Tempo einer Pferdekutsche entsprach.

1899: E-Rennwagen schafft mehr als 100 km/h

Das Design der Elektroautos dieser Zeit orientierte sich fast ausschließlich an der Form der Kutschen. Ein ganz neues Modell konstruierte 1899 der belgische Rennfahrer Camille Jenatz. Mit seinem einsitzigen, torpedoförmigen Rennwagen „Jamais Contente“ („niemals zufrieden“) stellte er 1899 mit 105 Stundenkilometern einen neuen Geschwindigkeitsrekord auf.

1900: Porsche konstruiert Radnabenmotor

1900 präsentierte Ferdinand Porsche auf der Weltausstellung in Paris ein neuartiges Elektroauto, das er im Auftrag des Wiener Kutschwagenfabrikanten Ludwig Lohner entworfen hatte. Der Lohner-Porsche verfügte über zwei 2,5 PS starke Motoren, die direkt in die Radnaben der Vorderräder integriert waren. Das hatte den großen Vorteil, dass weder ein energiefressendes Getriebe noch sonstige mechanische Elemente zur Kraftübertragung erforderlich waren. Auch für das Problem der geringen Reichweite hatte Porsche eine Lösung gefunden, indem er den Elektromotor mit einem Verbrennungsmotor zu einem Hybridantrieb kombinierte. Mithilfe eines Generators erzeugte der Benzinmotor Strom für die Batterie, die die Elektromotoren versorgte. Ein äußerst modernes Konzept – wie die heutige Nutzung zeigt.

1900: Boom der Elektroautos

Tanken an der Stromtankstelle Obwohl schon kurz nach Erfindung des Verbrennungsmotors 1886 die ersten Benzinfahrzeuge auf den Markt kamen, hatte noch um die Jahrhundertwende das Elektroauto trotz seiner beschränkten Reichweite die Nase vorn. Denn im Vergleich zu den stinkenden und qualmenden Benzinmotoren fuhr es fast lautlos und ruckelfrei, und es war einfach und sauber zu bedienen. Im Jahr 1900 gab es in den USA 1575 Elektrofahrzeuge, aber nur 929 Fahrzeuge mit Benzinmotor. Fast alle New Yorker Taxis fuhren damals elektrisch.

1911: Der Anfang vom Ende

Mehrere Gründe führten zum Niedergang der Elektroautos. Zum einen hatte 1911 der amerikanische Ingenieur und Erfinder Charles F. Kettering den elektrischen Anlasser für Verbrennungsmotoren erfunden, sodass diese nicht mehr mühsam angekurbelt werden mussten. Zum anderen gab es immer mehr Benzintankstellen, und Öl war extrem billig. Außerdem hatte sich dank geschickter Werbung ein Imagewandel vollzogen. Die lauten Benzinmotoren wurden nicht mehr mit Schmutz und Lärm in Verbindung gebracht, sondern standen für Kraft und Potenz und versprachen dadurch mehr Prestige. Das alles führte dazu, dass der Markt für Elektroautos bis 1920 stark an Anteilen verlor und die Produktion ab den 20er Jahren fast völlig zum Erliegen kam.

Seit 1930: Elektroautos werden zum Nischenprodukt

Nach dem Durchbruch der Benziner fristeten elektrisch angetriebene Fahrzeuge nur noch ein Nischendasein. So wurden während des Zweiten Weltkriegs in Frankreich infolge der Benzinknappheit noch einmal einige Elektromodelle produziert. Nach dem Krieg waren es dann entweder zu Testzwecken umgebaute Serienfahrzeuge oder Sonderfahrzeuge wie Golfcarts oder Konzeptautos. In Amsterdam wurde in den 1970er Jahren das erste Car-Sharing-Projekt der Welt („Witcar“) mit Elektroautos erprobt. Die E-Mobile, die aussahen wie eine Mischung aus Golfcart und Telefonzelle, mehr hoch als lang, waren verteilt auf etliche Ladestationen in der Stadt. Mitglieder konnten sich jederzeit ein Auto ausleihen und es an irgendeiner der Ladestationen wieder abgeben. Das Projekt wurde 1986 mangels Erfolg eingestellt.

Heute: Comeback der Stromer

Steigende Benzinpreise, neue Umweltschutzstandards sowie gewaltige Fortschritte in der Batterietechnologie haben dazu geführt, dass Elektroautos heute wieder als zukunftsweisend gelten. Kein Hersteller von Rang, der nicht an der einen oder anderen Version eines E-Autos arbeitet, und viele Autoexperten sagen dem elektrischen Antrieb eine rosige Zukunft voraus.

Gut möglich, dass wir schon in 15 Jahren alle elektrisch fahren werden.